(Infra-)Struktur für die Forschung

Das Problem…

Ahnenforschung ähnelt einem Virus, der einen erfasst. Man ist schnell im Strudel der Ereignisse, und die ersten Verwandten sind zügig erfasst. Nach einer Weile wird aber jeder Hobbyforscher vor das Problem gestellt, dass es sich bei Genealogie letztendlich um (mehr oder weniger) wissenschaftliche Arbeit handelt. Dies erfordert eine strukturierte Ablage von Daten mittels eines gut skalierenden Systems. Andernfalls wird mal mittelfristig den Spaß am Hobby verlieren.

Im April 2014 hatte meine Datenbank etwa 200 Personen erfasst. Dies ist eine vergleichsweise kleine Menge an Daten, wenn man sie mit etlichen Datenbanken anderer Hobbyforscher vergleicht. Aber bereits jetzt merke ich schmerzhaft, dass sich „Fehlentscheidungen“ bei der Ablage der Daten nur mühsam nochmal korrigieren lassen. Je weiter man sich in eine Sackgasse hinein manövriert hat, desto aufwendiger wird es später sein, den gewählten Weg zu wechseln.

Hinzu kam, dass ich anfangs immer liebend gerne die Quellen gewechselt habe im Eifer des Gefechts. War letzte Woche noch Großmutters Ariernachweis interessant, so bin ich doch ein paar Tage später zu einem vermeintlich interessanten Stammbuch eines anderen Verwandten gesprungen. Im Ergebnis habe ich nun zwei größere Quellen, bei denen ich mir nicht mehr genau sicher bin, wie weit ich sie bereits erfasst habe.

… und die Lösungsansätze

Es gibt sicher keine ultimative Lösung dafür. Der Mensch ist neugierig, und bei mir handelt es sich um ein Hobby. Letztlich lernen wir aus unseren Fehlern. Die nachstehenden Möglichkeiten habe ich bewertet und für sinnvoll erachtet:

  • bei einer einzigen Quelle zu bleiben, bis sie 100% erfasst ist: Das erfordert aber deutlich mehr Disziplin, als ich sie üblicherweise aufbringe, und ich fühle mich alleine beim Gedanken daran bereits eingeschränkt. Dies bleibt also ein hehres Ziel ohne praktische Relevanz bei meiner Arbeit.
  • Protokoll schreiben: ich habe mich dafür entschieden, deutlich umfangreicher Notizen anzulegen zu jeder Quelle. Das Protokollieren ist sowieso erforderlich in den Fällen, wo diese größer sind und nicht in einem überschaubaren Zeitraum komplett erfasst werden können.
  • TODO-Listen: Gramps unterstützt TODO-Notizen in der Software. Über einen dedizierten Report lässt sich so immer auf einen Blick sehen, wo noch überall work-in-progress ist.
  • Saubere Trennung von erfassten und nicht erfassten Quellen: ich verwende hierzu sowohl auf meiner Festplatte als auch „in echt“ jeweils zwei Ordner. In dem Ordner nicht erfasster Quellen gibt es dann wieder drei Register:
    1. Unsortierter Eingang zum Sammeln
    2. Quelle erfasst, aber Inhalt noch nicht übertragen in die Datenbank (Die Quelle hat eine Nummer erhalten, ist aber inhaltlich noch nicht verarbeitet worden)
    3. In Bearbeitung
  • Die Einhaltung eines Arbeitsprozesses: ganz ohne Disziplin funktioniert es auch hier wieder nicht. Aber die Register folgen einer intuitiven Arbeitsweise von Sammeln und Bearbeiten. Nach vollständiger Erfassung der Quelle wird das Dokument in den Ordner der erfassten Quellen verschoben.
  • Systematische Benennung von allen Daten: sämtliche Quellen sind mit der Quellen-ID aus der Genealogie-Software markiert. Das mache ich bei elektronischen Dokumenten über den Dateinamen, und echte Dokumente sind in dokumentenechten Klarsichthüllen abgeheftet. Dort ist die ID auf einem Aufkleber auf der Außenseite der Hülle angebracht.
  • Überblick über Ablageorte behalten: einige jüngere Quellen aus dem familiären Umfeld (z.B. Stammbücher der Eltern) sind in der Regel nur ausgeliehen für die Erfassung. Neben einer Kopie (bzw. eines Scans) ist es hier ratsam, den originalen Ablageort zu erfassen. So hat man später eine Spur zum Verbleib des Dokuments.

Fazit

Je mehr Gedanken man sich zu Beginn der Arbeit macht, desto einfacher kann das Ablagesystem mit wachsen. Eine gut organisierte Ablage wird langfristig ein effizientes Arbeiten unterstützen. Außerdem hat sie den langfristigen Vorteil, dass gegebenenfalls ein Familienmitglied die Forschungsergebnisse übernehmen und die Arbeit fortführen kann.

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